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Beschreibung der "Camera
Distorta" (des verzerrten Raumes)
Der erste verzerrte Raum wurde 1946 von dem amerikanischen Augenspezialisten
Adelbert Ames JR nach einem Konzept verwirklicht, das Hermann
Helmholtz am Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt hatte. Ames
bewies damit, wie das menschliche Aufnahmevermögen durch
die Verzerrungen eines Raums verwirrt werden kann, da diese
die gewohnten architektonischen Maßstäbe verändern,
die unser Gehirn gespeichert hat und aufgrund von vorherigen
Erfahrungen und kulturellen Einflüssen wiedererkennen kann.
Die neue Version des verzerrten Raumes, die im Museo laboratorio
della Mente ausgestellt ist, stellt eine mögliche Variante
des Raumes von Ames dar. Das Projekt, das auf einer doppelten
Perspektive basiert (eine schon bei der Verwirklichung des im
Museum La Villette de Paris ausgestellten perspektivischen Zimmers
von Philippe Comar angewandte Lösung), stellt einen Saal
dar, in dem sich einige einfache architektonische Elemente befinden:
zwei Bögen, Säulen, ein zweifarbig gekachelter Fußboden
und vier Eingänge. Der Raum, der in Wirklichkeit ganz offensichtliche
Verzerrungen aufweist, erscheint, wenn er von einem bestimmten
Blickwinkel betrachtet wird, perfekt symmetrisch. (Bild 1-2)
 

Der
Raum (Bild 3) ist gewollt einfach, er weist keinerlei
dekorative Elemente auf. Dadurch wird die Aufmerksamkeit des
Betrachters, der sich auf den richtigen Ausblickspunkt stellt,
auf die scheinbare Symmetrie und auf den illusorischen Effekt
gelenkt, der durch das Eintreten zweier Personen in den verzerrten
Raum ausgelöst wird. Auf den Bildern, die dreidimensional
mit dem Computer verwirklicht wurden, sind auch zwei rote,
unregelmäßige Gegenstände zu sehen, die von
dem Blickpunkt aus, wie zwei Würfel gleicher Dimension
erscheinen. Das architektonische Umfeld stellt in Wirklichkeit
sehr akzentuierte perspektivische Veränderungen dar.
Die beiden Seiten links und rechts, die in Bezug auf eine
ideale Longitudinalmittellinie betrachtet wird, erleiden zwei
entgegengesetzte perspektivische Deformationen: der linke
Teil zieht sich in Richtung des Betrachters zusammen, der
rechte Teil dehnt sich in die entgegengesetzte Richtung aus.
Wenn zwei Personen (Bild 4-5-6) sich so ins Innere
des Raumes stellen, dass jeder zu einer der beiden hinteren
Türen in Beziehung steht, hat der Betrachter den Eindruck,
dass die eine Person (und zwar die linke) viel größer
ist als die andere, die im Verhältnis zu klein erscheint
(Bild 4). Der Betrachter kann das Ausmaß der Deformation
nur erkennen, indem er in den verzerrten Raum hineingeht.
 
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